Slow Travel

Slow Travel – na das fängt ja schon mal super an…wieder so n Anglizismus mit dem keiner was anfangen kann. Langsames Reisen, was steckt eigentlich hinter diesem trendigen Ausdruck, der uns immer häufiger in den Medien unter die Nase gerieben wird?
Es handelt sich um eine neue Art des Reisens und dabei geht es nicht zwingend darum den möglichst langsamsten Fortbewegungsmittel zum Erreichen unseres Reisezieles zu wählen, sondern darum, sich die Zeit zu nehmen in dem Land, wo wir unseren Urlaub verbringen wollen, bewusst Zeit zu verbringen. Man verwandelt sich quasi zu einem Lokalen.

Wer kennt nicht dieses Gefühl, dass man hat, wenn man aus dem Urlaub zurückkommt und erschöpfter ist, als vor der Reise? Warum ist das so? Ganz einfach: bevor wir losfahren setzen wir uns doch in der Regel mit einem dicken Reiseführer hin oder recherchieren ausgiebig im Internet und speichern uns unzählige Sehenswürdigkeiten ab, die wir unbedingt in unseren Reiseplan reinquetschen wollen. Man fährt ja schließlich nur einmal in das Land, danach ist es quasi abgehakt.

Die Idee hinter Slow Travel ist die Entschleunigung. Es behandelt die Frage was wichtiger ist: eine entspannte Zeit in unserem Urlaubsort zu verbringen, wo man bereits nach ein paar Tagen vom lokalen Bäcker namentlich gegrüßt wird, seine Lieblingsstelle am Strand täglich okkupieren kann und wo einen der Kellner im Café schon in der eigenen Muttersprache willkommen heißt und ungefragt das Lieblingsgetränk serviert.
Oder doch lieber die zahlreichen historischen und naturgegebenen Reichtümer des Landes abgrasen? Die Antwort ist schwierig und jeder sollte für sich entscheiden was wichtiger ist. Finden wir die Balance zwischen diesen zwei Arten von Reisen oder schwirrt dann nicht doch immer die Frage in unserem Kopf rum: Shit, da bin ich EINMAL hier und hab noch gar nicht diesen Palast und jene Kirche angeschaut.

Auf unserer großen Entdeckungsreise 2014 hatten wir eine Phase, wo wir häufig in Länder waren, in denen wir nur 1-2 Wochen verbracht haben und uns total fertig gemacht hat, dass wir nicht ALLES anschauen konnten. Jeden Abend fielen wir todmüde ins Bett und waren aber schon mit den ersten Sonnenstrahlen auf den Beinen. Im Nachhinein, als wir uns später an die Länder erinnert haben, sind uns dann doch die kleinen, eher unspektakulären Dinge in Erinnerung geblieben und haben unser Herz erwärmt. Wir sind alles andere als Kulturbanausen, ganz im Gegenteil, aber wenn wir jetzt die Wahl zwischen einer großen Sightseeing-Tour oder einer kleinen Rundfahrt geführt von einem Lokalen zu den geheimen, kulinarischen Ecken oder authentischen Stadtteile haben, dann wählen wir lieber Letzteres.

Ganz klar, auch für die Sehenswürdigkeiten sollte man sich Zeit nehmen und lieber 5 Sachen auswählen, die man innerhalb 2 Wochen in Ruhe anschaut, als sich die komplette Dröhnung zu geben, was dann später in der Erinnerung sowieso nur zu einer einzigen Masse zusammenschmilzt.

Hat man also nach einer touristischen Tour de France auch tatsächlich das Land kennengelernt? Ich würde mal behaupten: Nein.

Hat man außer oberflächlichen, lokalen Bekanntschaften näheren Kontakt zu den Einwohnern des Landes hergestellt? Wahrscheinlich eher nicht.

Ein Motorradunfall auf den Philippinen (wo wir gerade auf der Jagd nach den Sehenswürdigkeiten waren) hat uns die Augen geöffnet und uns zum Nachdenken gebracht. Seither versuchen wir unsere Reisen anders, bewusster zu planen und uns vor Ort auch wirklich Zeit zu nehmen das Land wirklich kennenzulernen und nicht nur vor den Eiffel-Türmen dieser Welt für n hübsches Foto zu posen. Vielleicht verpassen wir so den ein oder anderen Tempel oder Ritterburg, aber wir werden auf jeden Fall nicht hundemüde in unseren Alltag zurückkehren.

Das jüngste Ergebnis unseres langsamen Reisens könnt Ihr hier, in unserem Artikel über Süd-Indien nachlesen.

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