Neuseeland, mein Herz!

Waterfalls, AucklandDa fahre ich schon nach Neuseeland, in das übergrüne Land mit saftigen Weiden, traumhaften Landschaften und hinter jedem Hügel ein Oh-mein-Gott-Moment und meine größte Sorge war: es wird doch sooo kalt! 
Nun ja, für diesen Fall gibt es im ungarischen ein passendes Sprichwort: Jammert, weil der Diamantschuh drückt…und es trifft den Nagel auf den Kopf. Leute, verspricht mir eins: wenn Euch während einer Reise irgendwas stört, dann macht um Gottes willen,  anstatt rumzuheulen, einfach das Beste draus. So etwas, wie eine perfekte Reise gibt es nicht. Meckern kann man immer und wenn man es so haben will wie daheim, dann einfach zu Hause bleiben und schön Balkonien genießen. 

Bay of Islands

Bay of Islands

AucklandNach zwei Tagen in Neuseeland war mir die Kälte (Achtung, wir reden hier von einer maximalen Tiefsttemperatur von 15 Grad) auch so richtig egal und ich fing an dieses Land zu verschlingen!

Ich denke jeder von Euch hat langsam die Nase voll von meinen Adjektiven, die die Schönheit der Natur beschreiben und ich denke jeder von Euch hat zumindest einen Teil von ‚Herr der Ringe‘ gesehen, so werde ich nur eins sagen: es sieht genauso aus wie im Film. Einfach unglaublich, das ganze Land wie eine perfekte Filmkulisse!
Was mich dennoch am meisten an diesem Land fasziniert hat, ist die Herzlichkeit der Menschen. Ich muss gestehen, dass ich noch nie eine Nation kennengelernt habe, wo die Leute so durch und durch nett waren, dir ohne zu hinterfragen vertrauen und dich mit so einer Selbstverständlichkeit in ihrem Haus bewirten, als wäre man gute Freunde oder ein Familienmitglied!

Lions Rock, Auckland

Lions Rock, Auckland

Lions Rock, Auckland

Lions Rock, Auckland

AucklandWie schon viele andere Male haben wir auch in Neuseeland unser Glück mit Couchsurfing versucht. Leider haben wir es ein wenig verpennt uns um geeignete Hosts zu kümmern, so haben wir in der SOS-Sektion der Homepage eine Anzeige für 3 Tage Übernachtung in Auckland geschaltet. Wenn man Glück hat erbarmt sich dann ein Host und lädt einen zu sich nach Hause ein…
So war es auch mit Sid, unserem Gastgeber in Auckland und unserer ersten Was-geht-bitteschön-in-Neuseeland-Erfahrung. 
Sid, ein ehemaliger Polizist und aktuell Chef einer landesweiten Organisation zur Resozialisierung von jugendlichen Ex-Knackis, Familienvater und everybody’s Darling, hat uns nicht nur sein Heim, sondern auch sein Herz geöffnet. 
Er hat uns eine Zeit beschert, die kein 5-Sterne-Hotel bietet. Wir bekamen leckeres Essen, ein komplettes Zimmer für uns und seinen Roller zum rumcruisen. Abends lagen wir dann in seinem Whirlpool, entspannten uns und führten stundenlange Gespräche. Er, selbst Maori, hat uns viel über seine Kultur erzählt und beigebracht (traditioneller Nasengruss, Do-s and Dont-s in einer Marai, dem Zeremonienhaus der Maori und sogar ein paar nützliche Wörter). 
Er hat uns rumkutschiert, als wäre er unser Fahrer und uns seiner Familie und seinen Freunden vorgestellt, ja selbst ein WM-Spiel mit uns geschaut und uns im Gegenzug an einem Spiel der mächtigen All Blacks, der unschlagbaren Rugby Mannschaft der Kiwis teilhaben lassen und uns geduldig alle Regeln erörtert. 
Ihr fragt euch bestimmt, skeptisch wie ihr seid, 🙂 was seine Beweggründe sind wildfremde Menschen aufzunehmen und ihnen für ein paar Tage ein zu Hause zu bieten. Nun skeptisch wie ich bin, habe ich ihm auch genau die Frage gestellt. Seine Antwort: ‚Ich möchte, dass ihr mein Land genauso lieben lernt, wie ich es tue. Ihr sollt in Neuseeland die beste Zeit eures Lebens haben…außerdem habt ihr bestimmt eine Mutter zu Hause, die sich ständig sorgt, in welchem Loch ihr wieder pennt. Ruft sie an und sagt ihr, sie kann sich für ein paar Tage entspannen.‘ 🙂
Zauberbaum, Bay of IslandsNach 3 Tagen Auckland und Umgebung haben wir eine 9-tägige Reise auf der Nordinsel Neusselands gestartet, wobei wir mit dem Bus ganz in den Norden (Bay of Islands) gefahren sind und uns dann langsam in den Süden runtergearbeitet haben. Wir haben heiße Thermen, Zauberwälder, unglaubliche Hügel- und Berglandschaften, den Pazifischen Ozean, Wasserfälle und natürlich Millionen von Schafen gesehen, doch jedesmal, wenn wir auf Lokale getroffen sind mussten wir uns anhören: ach, wenn euch das schon gefällt, dann reißt euch die Südinsel komplett aus den Latschen. Leider fehlte uns aber die Zeit für die besagte südliche Hälfte, doch glaubt mir, auch so sind wir auf unsere Kosten gekommen. 
Nachdem wir in den Bergen (Tongariro oder auch Mordors Berg aus ‚Herr der Ringe‘) kurz das Mardi Gras Festival besucht hatten – und uns da auch mit Sid getroffen haben – machten wir uns per Anhalter auf den Weg nach Wellington. Hierfür hatten wir zwei Tage eingeplant, also kein Stress, einfach so weit fahren, wie wir können und dann irgendwo übernachten. Unsere zweite Erfahrung übermäßiger Menschlichkeit und Gastfreundschaft bahnte sich schon an: Andrea. 
Andrea war aufm Weg mit ihrer Freundin nach Whanganui, einer Stadt auf halber Strecke nach Wellington, zum Möbel shoppen und dachte sich: naja, die beiden nehme ich mal mit. Es stellte sich dann heraus, dass sie zwar an dem Tag nach Whanganui fuhr, am nächsten Tag aber dann nach Wellington und uns anbot mitzunehmen. Gesagt getan: eine Nacht im unspannenden Whanganui verbracht stand sie am nächsten Tag pünktlich auf der Matte und schoss mit uns Richtung Hauptstadt. Muss ich euch sagen, dass sie uns angeboten hat die nächsten paar Tage in ihrem riesigen Luxus-Haus zu übernachten? Oder, dass sie uns am nächsten Tag zu ihrer Freundin Sunee eingeladen hat, die uns spontan in ihr Haus in Thailand im Oktober eingeladen hat? Oder, dass Andrea und ihr Mann uns nach unserem wwoofing (was das ist erkläre ich später) noch mit eine Full-Service-Sightseeing-Tour beschenkt haben? 
Auf meine Skepsis-Frage kam dann folgende Antwort: ‚Ach wisst ihr was? Ich vertraue Euch einfach, weiß auch nicht warum.‘ 
Wir waren einfach überwältigt.
WellingtonHot springs, RotoruaRotoruaZwei Tage später startete unser wwoofing, ein allseits beliebtes Projekt in Neuseeland (und mittlerweile weltweit): Farmarbeit für Essen und Unterkunft, wobei man Farmarbeit sehr vielseitig interpretieren kann. In unserem Fall war es ein rohveganes Pärchen (Jana und Wiremu), die einen großen Gemüse- und Obstgarten haben, jeden Freitag und Samstag einen Markt mit organischem Obst und Gemüse, leckerem Essen, Musik, Yoga etc. organisieren. Unsere Aufgabe war diesen Marktauftritt vorzubereiten und vor Ort dann zu betreuen. In den fünf Tagen, die wir da waren habe ich so viel über gesunde Ernährung gelernt, wie noch nie (Nori wusste ja schon das meiste dank ihren Studien der Ernährungswissenschaften), haben faszinierende Menschen kennengelernt und uns mit Jana und Wiremu richtig gut angefreundet. Schon nach dem ersten Abend war uns allen klar: wir sind absolut auf einer Wellenlänge. Wiremus Familie (Maori) ist einfach supercool, sehr respektvoll und leben einfach im Einklang mit der Natur. 
AucklandLions Rock, AucklandTreaty, Bay of Islands3 Storys von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können und ich möchte keines dieser Erfahrungen missen. 
Wir kommen immer noch nicht klar auf diese intensive und selbstverständliche Gastfreundschaft der Kiwis und dabei habe ich noch gar nicht den Mann erwähnt, der uns anstatt den Weg zu zeigen einfach 10 Km weiter zu unserem Ziel gefahren hat; der Busfahrer, der uns in den Bergen einfach seinen Bus aufgemacht hat, damit wir nicht frieren während wir warten oder die Frau im Hostel, die uns ohne Weiteres ein Upgrade in ein Privatzimmer gegeben hat u.v.m.
IMG_0394Bambi, WhanganuiDanke Neuseeland, du rockst wirklich!!

Geniesst die Bilder und stellt Euch manchmal vor, dass gleich Gandalf oder Frodo um die Ecke kommen 🙂

WwoofingNZ_collage

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