Durchgewirbelt auf den Philippinen

Martin and Philippino children

„Was? Die Philippinen? Pass bloß auf, da wirst Du gekidnappt!“
„Nimm auf keinen Fall die Fähre, da sind Piraten, die das Boot entführen“
„Ja nicht in die Großstadt gehen, da wirst Du ausgeraubt, ausm Taxi gezerrt…und die öffentlichen Verkehrsmittel, pah, quasi der sichere Tod!“
So viel zu den Warnungen von Freunden und Bekannten bzw. aus diversen Internetforen!
Fakt ist: es gibt Teile in den Philippinen, wo man mit Ähnlichem rechnen sollte (da kommen aber selten Touris hin) und mal ganz ehrlich: welche Großstadt (außer vielleicht Tokyo) ist wirklich sicher vor Raub und Überfall? 

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Dank den netten Warnungen war unsere Planung also gepaart mit einem stetigen Sicherheitscheck und getrübter Vorfreude: darf/sollte man da hin oder doch lieber meiden?
Hinzu kommt, dass wir bei den Philippinen, mit ihren 7.507 Inseln, von einer gigantischer Republik reden, da ist es schon recht schwierig sich für eine gescheite Reiseroute zu entscheiden! Nach gründlicher Recherche fiel unsere Wahl dann auf die Visayas, eine der drei großen Inselgruppen inmitten des Landes mit der Hauptstadt Cebu! 

Aus Hongkong erreichten wir Manila in den frühen Nachmittagsstunden und hatten vor (ohne nur eine Minute unserer Zeit in der Hauptstadt verschwenden zu wollen) direkt mit einem Inlandsflug nach Cebu zu fliegen! Gesagt getan: in einer abenteuerlichen Fahrt mit einem Jeepney, dem traditonellen Transportmittel der Philippinos, wurden wir von einem Terminal ins nächste gefahren, wobei wir – infiltriert von dämonischen Gedanken – ziemlich sicher waren, dass wir und der japanische Junge mit uns auf jeden Fall entführt, aber mindestens ausgeraubt werden. Passiert ist nix, gelernt haben wir aber, das sich in den Philippinen keiner wirklich um irgendwelche Abfahrtzeiten, korrekten Reiseinformationen o.ä. kümmert. 
Diese Tatsache hat uns einiges an Nerven gekostet, lernten wir erst nämlich viel später einfach darauf zu vertrauen, dass irgendwie alles klappen wird! Unser Anschlussflug hatte zwei Stunden Verspätung, so kamen wir erst gar nicht in den Genuss nach der Landung die wenig attraktive Stadt Cebu zu bewundern! 

IMG_0993So, dann lass ich mal die Katze ausm Sack: unser Plan für unseren 10-tägigen Aufenthalt war: Inselhopping. Nicht wirklich bedacht bzw. so ziemlich ignoriert haben wir den Fakt, dass es aktuell (naja, eigentlich von Mai bis Oktober) im Land Taifunzeit herrscht, was bedeutet, dass man nicht nur mit einer kühlen Brise und ner Sommerhusche rechnen sollte, sondern mit zerstörenden Gewittern, Überschwemmungen und Tsunamis! 
In den letzten paar Monaten haben wir sowas wie ein gutes Wetterkarma als Reisebegleiter, das uns einen sehr milden Winter in Neuseeland und Australien, Trockenheit in der Regenzeit in Fiji und Honkong und aktuell einen Bombensommer in Tokyo beschert! Dieses Glück hat uns auch auf die Philippinen begleitet, hatten wir doch gerade einen fetten Taifun (Rammasan) verpasst und der nächste (Glenda) hat erstmal nur im Norden rumgewütet!

Unserer Inselreise stand also nix mehr im Wege. Auf dem Reiseplan standen die Inseln Bohol, Pamilacan und Siquijor, wobei wir für alle 3 jeweils 2-3 Tage eingeplant haben. 

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Bohol ist eine sehr touristische und gleichzeitig die größte Insel der Visayas. Sie beherbergt Sehenswürdigkeiten wie die Chocolate Hills, Tuntunan Wasserfall etc., lässt aber auch mit seinem berühmten Alona Beach Taucherherzen höher schlagen. Unsere Unterkunft war auf der südwestlichen Halbinsel und hat uns einfach weggeblasen. 
Die Bohol Coco Farm ist nämlich ein Ort, wo nicht nur Kokos angebaut, sondern auch komplett verarbeitet wird. Alles natürlich organisch! Stellt Euch also keine Monsterfabrik mit fetten Schornsteinen vor, die Coco Farm ist eher wie eine romantische Kommune, wo Kokosöl, Gegenstände aus verschiedenen Teilen der Kokospalme und unterschiedliche Leckereien auf Kokosbasis hergestellt werden. Das Ganze ist gepaart mit einem Restaurant, 4-5 kleinen Bambushäusern zum Übernachten und einem Skytree, einem Bambusbrückensystem festgebunden an der Spitze der Palmen, so dass man einen super Einblick in das obere Leben des Baumes und zusätzlich noch einen fantastischen Ausblick bekommt!

IMG_1033Die Zeit in Bohol verbrachten wir mit langen Spaziergängen zu und an den zahlreichen Stränden, einem Besuch einer Honigbienenfarm (Konzept ähnlich wie die Coco Farm), uns mit Menschen und Kultur angefreundet…und endlich unsere verdammte Skepsis abgelegt!

BaguisVon Pamilacan, einer paradiesischen Insel im Süden Bohols, versprachen wir uns eine wunderschöne Unterwasserwelt beim Schnorcheln und viele Delphine (eventuell auch einen Walhai).
Bekommen haben wir genau das, plus ein Strandhaus mit Meerblick inkl. 3 traditonellen Mahlzeiten pro Tag, einen Hund (Baguis), der uns auf Schritt und Tritt verfolgte, neue Freunde und extrem herzliche Menschen! Überhaupt erlebten wir in diesem Land einfach nur offene Herzlichkeit! Wer sich jetzt denkt: ‚jaja, ihr seht ja auch aus wie Touris und die Leute sehen doch nur die Dollarzeichen in euch‘ – der täuscht sich gewaltig. Wir wurden sehr oft und mit so einer Selbstverständlichkeit zum Essen oder einfach zum Quatschen eingeladen und keiner hat uns Geld abknöpfen wollen, geschweige denn ausgeraubt o.ä.
Zwei absolute Highlights auf der Insel war unsere frühmorgentliche Delphintour, wo einfach mal mindestens fünfzig Delphine mit uns geschwommen sind und uns mit ihren Sprüngen und Flips in der Luft beeindruckt haben. Meine Kamera lief heiß und ich fühlte mich wie ein Kind auf Zucker! 

dolphins

IMG_1177Der zweite Höhepunkt – und ich bin mir sicher, dass ihr es nicht erraten hättet – war ein katholischer Gottesdienst. 🙂 
Die Philippinen sind sehr gläubig und 83% der Einwohner gibt an dem katholischen Glauben anzugehören. 
Da Pamilacan sehr abgeschieden ist und keinen eigenen Priester hat wird da nur aller vier Wochen ein Gottesdienst abgehalten! Nicht so während unseres Aufenthaltes, hat doch nämlich an dem Wochenende eine kleine Gruppe aus angehenden Priestern ihren Urlaub auf der Insel gemacht und die Einwohner natürlich auch zu einem Gottesdienst geladen. Als ’special guests from Hungary‘ wurden auch wir während der Zeremonie vorgestellt, doch das war dann auch so ziemlich alles was wir verstanden haben! Und dennoch: die Hingabe der Menschen während sie sangen, die Freude in ihren Augen und die lockere, interaktive (!) Zeremonie hat alle katholischen Skepsisfesseln in mir gesprengt und gezeigt: es geht auch ohne schwerem Weihrauch und zeremoniellen Verpflichtungen. Eine offene, unkonventionelle katholische Kirche wurde uns hiermit vorgestellt. 
priest and usDie Tage auf der Insel der Ruhe und Entspannung (Strom nur von 18:00-23:00 Uhr 🙂 verflogen sehr schnell und es hieß Abschied nehmen von Baguis und Co. und die Insel Siquijor anvisieren! 
Mit der Fähre meisterten wir die Überfahrt auf die knapp 92.000-Mann Insel. Hier trafen wir auch die australische Emily wieder, der wir schon im Coco Farm begegnet sind. Emily ist eine coole Socke aus Sydney, die sich für sechs Wochen aus dem Alltag verabschiedet hat um Freiwilligenarbeit auf den Philippinen zu machen! Mit ihr sind wir dann in einem ebenfalls traditonellem Transportmittel, dem Tricycle zur Casa Miranda, einem familiengeführtem kleinen Hotel mit Meerblick gefahren! Hier haben wir telefonisch schon vorab ein Zimmer reserviert. Bekommen haben wir das größte Zimmer, nämlich dast ‚Treehouse Apartment’…jepp wir sprechen hier tatsächlich von einem Baumhaus, doch wesentlich komfortabler als meine Jugendkreation bestehend aus 5 Balken und ein paar Stricken. Unser Baumhaus hatte ein Zimmer mit amerikanischer Küche, Schlafzimmer mit Meerblick, Balkon und Bad. Da es ebenfalls aus Bambus gebaut wurde, war es natürlich sehr luftig (hat uns ’nette‘ Nächte mit heftigem Sturm gepaart mit Todesgedanken geschenkt) und hätte hier und da einiges an Reperatur nötig gehabt! Aber für 300 Pesos die Nacht (ca. 6€) sollte man auch nicht viel erwarten! 🙂

cute philippina on the way home Der Plan auf Siquijor war: Schnorcheln, einen Roller mieten und die Insel erkunden. Zwei Sachen haben uns die Zeit so ziemlich vermiest: zum einen hat sich ein tropischer Sturm angekündigt (schwächer als Taifun), der sich die nächsten Tage partout nicht verziehen wollte und ein Rollerunfall mit fetten Schürfwunden auf der kompletten linken Seite (bei mir) verstauchtem Arm plus Kniewunde (Nora). Die Ursache war ein Schlammloch, das für unseren Roller ohne Reifenprofil wir eine Eisbahn gewesen sein musste. Doch wir fuhren zum Glück sehr langsam und konnten somit Schlimmeres verhindern. 
Glück im Unglück brachte uns die Bekanntschaft mit Lorna und James, die wir über Emily kennengelernt haben. James ist nicht nur Heiler, sondern auch der Bürgermeister der Insel! Er hat Nora sofort behandelt und ihr den Arm massiert, so dass sich die Verstauchung nicht noch mehr verschlimmern konnte. Stundenlange Gespräche bei Kaffee und Kuchen entstanden, wir haben uns mal wieder wie bei Freunden gefühlt…spätestens hier war uns klar, dass Nächstenliebe auf den Philippinen ganz groß geschrieben wird! 

IMG_1376Am nächsten morgen haben wir nochmal alle, aber wirklich auch alle Transpormittel des Landes einmal durchprobiert. Unser Ziel war es am Abend nach Manila zu gelangen, damit wir am Folgetag den frühen Flieger nach Japan nehmen können. 
Von 04:30 bis 18:00 Uhr sind wir also mit Tricycle, Fähre, Bus, Jeepney, Taxi und Flugzeug gereist (insg. sechs Mal umgestiegen) bis wir unser Nachtlager auf dem Flughafen von Manila aufbauen konnten und eine ziemlich, naja, unbequeme Nacht in eines der hässlichsten Flughäfen meiner bisherigen Flugkarriere, verbracht haben.
Wir hatten – trotz Warnungen und dem Unfall – eine fantastische Zeit auf den Philippinen gehabt, wunderschöne Natur genossen und herzliche Menschen kennengelernt. 

IMG_1433Meine Lieblingsklischees über die Philippinen, die sich dann tatsächlich bewahrheitet haben:
– Überfüllte Jeepneys wo Menschen und ihr Gepäck wie Trauben runterhängen. Das Motto ist wohl: wenn Du glaubst der Wagen ist voll, dann können noch mindestens 10 weitere Fahrgäste zusteigen
– fetter, alter Mann mit junger, hübscher Philippina / fette, alte Frau mit jungem Philippino-Lover (also was da für Liebesgespanne rumliefen – ich dachte ich bin im falschen Film)
– fangfrischer Fisch direkt aus dem Ozean auf den Teller (wir konnten dem Fischer zusehen, wie er mit seiner Harpune unser Abendessen fing)
– Delphine, die mit Deinem Boot mitschwimmen und dabei aus dem Wasser springen
– spazieren bei Sonnenuntergang unter Palmen auf schneeweißem Sand am Strand (was für ein Klischee!!!! Und wie irreal es sich plötzlich anfühlte als wir mittendrin waren)

seastarAlle Bilder gibt’s hier!

3 Kommentare zu “Durchgewirbelt auf den Philippinen

  1. Diese Bilder und Menschen werden Euch nie aus dem Sinn gehen, sie werden Euch Kraft geben, wenn es mal sehr grau aussieht. Schön!!!

  2. Pingback: Our long-awaited Tokyo trip – Japanese culture at its best | GlobeRockers